Projekte

OMA/OPA-PROJEKT"
PSYCHOSOZIALES LERNHILFEPROJEKT

KINDER UND JUGENDLICHE MIT GERINGEN BILDUNGS- UND ENTWICKLUNGSCHANCEN LERNEN IN EINER KONTINUIERLICHEN
EINS-ZU-EINS-BETREUUNG MIT FREIWILLIG TÄTIGEN SENIORINNEN UND SENIOREN
UND JUNGEN MENSCHEN

„Für die Zukunft der Kinder mit dem Wissen der Reife"

Das „OMA/OPA-Projekt“ ist als Allianz der Generationen zu verstehen:

SeniorInnen lernen in einer Eins-zu-Eins-Betreuung mit SchülerInnen der Volks- und Mittelschule, begleitet von einem multiprofessionellen Team aus Kommunikationstrainerinnen, Pädagoginnen, Fachleuten für interkulturelle Kompetenz, einer Psychologin, einer Expertin der „Arbeit am Tonfeld“ und GruppenbetreuerInnen. Im Jahr 2016 wurde die Gruppe der freiwillig engagierten SeniorInnen um junge Engagierte erweitert, da sich gezeigt hat, dass auch sie an der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Lernschwierigkeiten interessiert sind.
Im Mittelpunkt steht die Beziehungsarbeit zwischen den Engagierten/Kinder/Jugendlichen-Pärchen, durch die gezielte Lernhilfe und Sprachförderung möglich werden. Durch das Vertrauen, das durch diese Arbeit aufgebaut wird, entsteht Kontakt zu den Familienmitgliedern, der durch verschiedenste Dialogforen verstärkt wird.

Die freiwillig Engagierten haben die Möglichkeit, ihr Wissen weiterzugeben, die Kinder/Jugendlichen bekommen die Möglichkeit sich in der Schule zu verbessern bzw. ihre Deutschkenntnisse in geschütztem Rahmen zu erweitern.
Frauenkreise, besonders auf die Bedürfnisse der Mütter abgestimmt, sind ein weiterer wichtiger Aspekt des Programms.
Kommunikationstrainings für alle Projektbeteiligten sind hilfreiche Faktoren für den interkulturellen und intergenerationellen Dialog.
Ganzheitliches Lernen, der Aufbau von Vertrauen und von emotionaler Beziehung wirken nachhaltig.
Durch das Erlernen des Differenzierens der Muttersprache und der Sprache des Aufnahmelandes sowie durch das Wahrnehmen und Integrieren der Unterschiede erlangen die Kinder/Jugendlichen eine hohe soziale und interkulturelle Kompetenz, die sich nachhaltig im Sozialisierungsprozess auswirkt. Die Kinder/Jugendlichen werden an spielerisches und gleichzeitig effektives Lernen in achtsamer, liebevoller Umgebung gewöhnt. Durch das Erlernen der deutschen Sprache sowie der Unterrichtsinhalte haben sie eine gute Chance auf einen Schulabschluss und damit auf einen Ausbildungsplatz. Die Integration in das Arbeitsleben ist dadurch ermöglicht.
Nachhaltigkeit ist auf vielen Ebenen des Projekts gewährleistet.

Das „OMA/OPA-Projekt“ wurde 2009 mit 4 Kindern und 6 SeniorInnen mit einer Wiener Volksschule als Kooperationspartnerin am Standort Verein NL40 begonnen. Aktuell (Frühjahr 2017) umfasst das Projekt 63 Kinder/Jugendliche, rund 85 betreuende SeniorInnen, 4 junge BetreuerInnen, 15 Schulen und 3 Standorte in Wien und NÖ.
Das „OMA/OPA-Projekt“ hat die Ziele Integration und Bildung der Kinder/Jugendlichen, Stärkung der Frauen, Bewusstmachung der eigenen Ressourcen, Förderung des interkulturellen und intergenerationellen Dialogs sowie Weiterbildung und Sicherung der Teilhabechancen älterer Menschen in unserer Gesellschaft.


MOTIVATION UND ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES „OMA/OPA-PROJEKTS“

Durch den Standort im Brunnenviertel in Ottakring befindet sich der Verein NL40 im Brennpunkt multikulturellen Geschehens. Im Laufe der Vereinsarbeit entstand Kontakt zu türkischen und serbischen MitbürgerInnen und damit der Zugang zu ihrer Geschichte.

Auf diesem Weg erfuhr der Verein NL40 von den Sorgen eines Volksschulkindes, das die 2. Klasse aus sprachlichen Gründen zweimal wiederholen musste und in der dritten Klasse immer noch weit entfernt davon war, in deutscher Sprache lesen und schreiben zu können. Auch das verbale Ausdrücken war nicht wirklich möglich. Eine dem Verein bekannte Seniorin hörte davon und bot an, mit diesem Kind regelmäßig Schulaufgaben zu machen.

Nach einiger Zeit ergaben sich Schwierigkeiten, da sie nicht sicher war, welches Material sie verwenden könne, um dem Kind effizient weiter zu helfen. Die Pädagogin des Vereins NL40 kam zu Hilfe und besprach die weitere Vorgehensweise. Außerdem setzte sie sich mit der Lehrerin (Volksschule Pfeilgasse, 1080 Wien) des Schülers ins Einvernehmen und besprach den aktuellen Wissensstand des Kindes. Die Lehrerin kommunizierte, dass sich der Schüler bereits merklich verbessert hatte, ihm aber immer noch die Sonderschule drohe und sie sich sehr wünschen würde, im ständigen Austausch mit der Seniorin zu sein. Diese Kommunikation klappte sehr gut und die Seniorin wurde immer sicherer in der Betreuung des Kindes.

Aus dieser sehr persönlichen Erfahrung entstand die Idee zum „OMA/OPA-Projekt“, um auch anderen Kindern die Möglichkeit zu bieten, in einem wohlmeinenden und geschützten Umfeld Deutsch zu lernen, schulische Aufgabenstellungen zu meistern, Ressourcen aufzubauen, sich als Persönlichkeit entwickeln und soziale sowie interkulturelle Kompetenz erwerben zu können.

Das „OMA/OPA-Projekt“ wurde zunächst von Oktober bis Dezember 2009 gefördert von der MA17 als Pilotprojekt geführt und wegen des hohen Bedarfs in Eigenleistung bis Juni 2010 fortgesetzt. Im Februar 2011 konnte das Projekt schließlich wieder aufgenommen werden. Bis zur Niederlassung des „OMA/OPA-Projekts“ in von der Strabag SE zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten im 17. Wiener Gemeindebezirk im Frühjahr 2015 wurde die Lernhilfe neben dem Verein NL40 an zwei weiteren Standorten in Wien (1090 Wien) umgesetzt. In Niederösterreich konnte das Projekt in Krems, Baden und Amstetten etabliert werden. Die Lernhilfe in Amstetten konnte nach einem temporären Ausfall im Oktober 2016 wieder anlaufen. Der Standort in Baden wurde mit Ende des Schuljahres 2014/2015 geschlossen. Im Schuljahr 2014/2015 erreichte die Anzahl der TeilnehmerInnen des „OMA/OPA-Projekts“ ihren Höchststand: 70 Kinder und Jugendliche, 116 SeniorInnen und 16 Schulen an sechs Standorten.


INNOVATIONSCHARAKTER DES „OMA/OPA-PROJEKTS“

Der innovative Charakter des Projekts liegt in der Ermöglichung einer kontinuierlichen, intensiven Betreuung eines Kindes bzw. einer/eines Jugendlichen durch eine Bezugsperson. Die SchülerInnen der Volks- und Mittelschule werden entweder von einer freiwillig tätigen Seniorin bzw. einem freiwillig tätigen Senior oder von einer freiwillig tätigen jungen Person in einem Eins-zu-Eins-Verhältnis über einen längeren Zeitraum (idealerweise vom Volksschul- bis ins Mittelschulalter) unterstützt. 

Hinzu kommen die Ermöglichung von Integration und Inklusion sowie die gepaarte Förderung des intergenerationellen und des interkulturellen Dialogs.

Besonders am „OMA/OPA-Projekt“ ist außerdem, dass es in einem nichtschulischen Rahmen realisiert wird, der eine individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen möglich macht. Die SchülerInnen erhalten die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Betreuungspersonen, wodurch vertrauensvolle Beziehungen entstehen können. 

Alle Projektbeteiligten lernen respektvoll und wertschätzend miteinander umzugehen.

Kulturelle Vielfalt und Generationenvielfalt werden als Ressourcen und Chancen wahrgenommen.  


ZIELE UND QUALITÄTSMERKMALE DES „OMA/OPA-PROJEKTS“

Gezielte und kontinuierliche Lernbetreuung

Im Mittelpunkt des Projekts steht eine gezielte, kontinuierliche Lernbetreuung und Sprachförderung, um den SchülerInnen bessere Lern- und Entwicklungschancen zu bieten. Die Kinder und Jugendlichen erhalten nicht nur Hilfestellung bei der Bewältigung des Schulalltags, sondern sie werden auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt.

Dabei wird großes Augenmerk auf kompetente Hilfe gelegt: Die Betreuenden werden von einem multiprofessionellen Team begleitet und können unterschiedliche Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen – Kommunikationstrainings, Einzelsupervisionen, pädagogisch-didaktische Beratungen und die Begleitung der LerngruppenbetreuerInnen direkt an den Projektstandorten während der Lerneinheiten. 

Für die Kinder und Jugendlichen stehen zusätzlich folgende Angebote zur Verfügung: psychologisch-therapeutische Betreuung durch die projektinterne Kinder- und Jugendpsychologin (unter Einbezug der Eltern), die entwicklungsfördernde Methode der „Arbeit am Tonfeld“ und Coachingrunden. 

Auf die Zusammenarbeit mit den DirektorInnen und LehrerInnen und mit den Eltern sowie bei Bedarf mit anderen Institutionen aus dem Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich wird besonderer Wert gelegt.

Integration und Inklusion

Ziel und Inhalt des Projekts ist es, die Integration und Inklusion aller Projektbeteiligten zu fördern. Die integrativen Bemühungen zielen allen voran auf die SchülerInnen und ihre Familien ab. Durch die Teilnahme am Projekt werden sie in ein soziales Netzwerk eingebunden und sie erhalten die Möglichkeit, soziale Kontakte in der mitunter komplett neuen Heimat zu knüpfen bzw. diese auszubauen. Dadurch wird auch ein Gefühl des Willkommenseins vermittelt. Verschiedene Veranstaltungen, die im Rahmen des Projekts organisiert werden, wie z.B. das alljährliche Abschlussfest, bieten allen Beteiligten eine gute Gelegenheit für Kontaktaufbau und Austausch. Durch die Schaffung von Begegnungsmöglichkeiten werden außerdem Barrieren im zwischenmenschlichen Kontakt sowie Vorurteile, die aufgrund von kulturellen Unterschieden bzw. unterschiedlichen Lebenshintergründen bestehen, abgebaut. Längerfristig wird dadurch die Inklusion der SchülerInnen und ihrer Familien ermöglicht. Mit dem Projekt wird zudem das Ziel verfolgt, ältere Menschen weiterhin sozial teilhaben zu lassen bzw. sie in die Gesellschaft zu (re)integrieren/(re)inkludieren.

Dadurch werden auch der interkulturelle und der intergenerationelle Dialog gefördert.

Stärkung der Mütter

Die Stärkung der Mütter der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen hat sich im Zuge der Projektarbeit zu einem wichtigen Thema entwickelt. Im Rahmen von Frauenkreisen erfahren sie ein Empowerment. Ziel ist es, den Frauen einen vertrauten Ort der Integration zu bieten, den sie gerne aufsuchen und an dem sie in entspannter und freudvoller Atmosphäre Deutsch praktizieren, Kontakte außerhalb der eigenen Community knüpfen und Wissen (u.a. in Bezug auf Ernährung, Bewegung, Gesundheit, Arbeitsleben, etc.) erwerben können, das ihre Unabhängigkeit unterstützt. Durch die Beteiligung von Betreuerinnen des „OMA/OPA-Projekts“ kommen die Frauen außerdem mit Frauen, die in Österreich verwurzelt sind, in Kontakt. Die Vertrauensbasis, die im Rahmen der Frauenkreise geschaffen wird, trägt außerdem zur aktiven Teilnahme der Mütter an der Betreuung ihrer Kinder im Zuge des „OMA/OPA-Projekts“ bei.

Nachhaltigkeit und Niederschwelligkeit

Ganzheitliches Lernen wirkt nachhaltig.
Der Aufbau von Vertrauen und emotionaler Beziehung wirkt nachhaltig.
Durch das Erlernen des Differenzierens der Muttersprache und der Sprache des Aufnahmelandes sowie durch das Wahrnehmen und Integrieren der Unterschiede erlangen die Kinder eine hohe soziale und interkulturelle Kompetenz, die sich nachhaltig im Sozialisierungsprozess auswirkt.
Durch die Erfahrung im Rahmen des Projekts bekommen die Kinder Lust auf lebenslanges Lernen, das ihnen die BetreuerInnen vorleben.
Das Kennenlernen anderer Kulturen erweitert den Horizont und den Handlungsspielraum der Projektbeteiligten.
Durch die Kontinuität der Betreuung ist die nachhaltige Wirkung des Projekts gewährleistet.

Das Projekt zeichnet sich außerdem durch seinen niederschwelligen Zugang aus. Mit wenig administrativem Aufwand werden die SchülerInnen durch DirektorInnen, LehrerInnen, SchulpsychologInnen und –sozialarbeiterInnen, Institutionen des Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesens an das Projekt vermittelt. Auch Kinder, deren Eltern sich direkt an den Verein NL40 wenden, erhalten bei dringendem Bedarf einen Betreuungsplatz (in weiterer Folge Kontaktaufnahme mit Schule). Die einzige Anforderung, die mit der Aufnahme einer Schülerin/eines Schülers verbunden ist, ist die Dringlichkeit des Unterstützungsbedarfs.

Qualitätssicherung

Regelmäßige Evaluierungen, die der Analyse der Wirkung des Lernhilfeprojekts dienen, tragen zur Sicherung der Qualität der Betreuung der Kinder und Jugendlichen und der Begleitung der Betreuenden bei.